Woher kommen die Feinde der offenen Gesellschaft?

Weit draußen, in den unerforschten Einöden eines total aus der Mode gekommenen Ausläufers des westlichen Spiralarms der Galaxis, leuchtet unbeachtet eine kleine gelbe Sonne. Von den ganzen Planeten, die um sie herumkreisen, gibt es wahrscheinlich nur einen einzigen, auf dem Leben existiert.

Unter den Lebewesen hat sich eine Bioform herauskristallisiert. Sie lebt an unterschiedlichsten Orten mit unterschiedlichem Wohlstand und unterschiedlichen Gesellschaftsordnungen.

Nur ein geringer Teil dieser ganzen Landschaft kann als besonders lebenswert für die Bewohner bezeichnet werden. Dessen Bewohner sind zufällig zur richtigen Zeit am richtigen Ort, denn sie sind umgeben von wirtschaftlichem Reichtum und führen ein Leben in Würde.

Diese Bewohner sind wir. Wir sind die glücklichen Bürger einer sozial- und rechtsstaatlichen Demokratie, die wirtschaftlich floriert und die Rechte der Individuen sichert.

Aber die Geschichte hat uns schon oft gelehrt, dass überall dort, wo die Demokratie die autoritären, geschlossenen Gesellschaftsformen ersetzt hat, mit ihr auch ihre grundsätzlichen Kritiker entstehen. Wie kann das sein? Wir haben eine Grundordnung, die sich wie keine andere in der Praxis bewährt hat, indem sie die Rechte ihrer Bürger schützt.

Klarstellung

Ich bin kein Konservativer. Nichts liegt mir ferner, als alles gutzuheißen, was hier in Deutschland politisch geschieht. Man sollte aber auf keinen Fall übersehen, dass unser System ein deutlicher Fortschritt gegenüber früherer Systeme ist, was Menschenrechte und Gleichheit vor dem Gesetz und vieles mehr angeht.

Weiter muss ich zugeben, dass Karl Popper mich für zu diesem Artikel inspiriert hat (und zuvor der Soziopod zu Karl Popper ;o) ). Euch allen kann ich sehr empfehlen, seine Bücher und vor allem Die offene Gesellschaft und ihre Feinde zu lesen. Hab‘ gerade den ersten Teil fertig und bin wirklich schwer beeindruckt. Was seine Vorstellungen von Demokratie und Erkenntnis angeht, spricht er mir aus der Seele!

Aber jetzt¹ zurück zum Thema: Wir leben auf einem von vielen Planeten und in einem von vielen Ländern, nämlich in einem der besten. Trotzdem gibt es viele, die ein Problem mit unserer Gesellschaftsform haben. Warum?

¹) Und ja, die Einleitung ist von Douglas Adams inspiriert 😀

Vor- und Nachteile

Ich bin fest überzeugt, dass die meisten, die sich nicht mit unserer Demokratie zurechtfinden, auch wirklich dieser Meinung sind und nicht nur an die Macht wollen. Schließlich hat auch unsere Gesellschaft Nachteile gegenüber den alten, geschlossenen Gesellschaften. Wir sollten dem ins Auge schauen, denn nur so können wir diese Leute überzeugen, dass die Vorteile überwiegen.

Mit dem Entstehen unserer offenen Gesellschaft, wie Popper sie nennt, werden sehr viele Zwänge abgebaut. Das hat wahnsinnige Vorteile, aber mit dem Schwinden von festen Bindungen zwischen den Menschen gibt es auch immer mehr Menschen, die sich einsam und allein gelassen fühlen.

Diese Leute wollen zurückkehren in die geschlossene Gesellschaft, in der „jeder seinen festen Platz“ hat, also auch sie. Man muss dann nicht für alles und jeden Verantwortung übernehmen, weil einem die Entscheidungen abgenommen werden. Nicht zu unrecht meinten ein paar Philosophen, wir seien zur Freiheit verdammt.

Die Leute, die aus diesem Grund „Feinde der offenen Gesellschaft“ geworden sind, haben ihre grundlegenden Wertvorstellungen weggeworfen und durch neue ersetzt.

Statt gleicher Chancen und Freiheiten streben sie dann nach einer Zementierung der gesellschaftlichen Schichten und statt einem Staat, der den Bürgern diene, wollen sie dann einen Bürger, der dem Staat diene.

Weil diese Werte grundsätzliche Werte sind, die man nicht auf argumentativer Basis verändern kann (denn Argumente benötigen gemeinsame Werte als Grundlage), sind sie auf der Gefühlsebene eingeführt worden. Triebkraft war nicht das Argument, sondern die eigene Desintegration von der Gesellschaft oder die Last der ganzen Entscheidungen, woraus die Überzeugung entsprungen ist, dass man einen radikal neuen Weg gehen muss.

Was ist zu tun?

Schwere Frage. Weil die Wertvorstellungen grundsätzlich anders sind als unsere, können wir aus dem gleichen Grund auch niemanden auf der rein argumentativen Basis zurückholen zu unseren Werten.

Wir sollten aber endlich anerkennen, dass es auch Menschen gibt, die unter unserer Gesellschaft zu leiden haben, und sollten versuchen, diese Gruppe zu minimieren. So verkleinern wir zumindest die Risikogruppe, die sich gegen eine offene Gesellschaft richten könnte.

Nachdem wir uns also über unsere grundsätzlichen Ziele klar geworden sind, können wir nun überlegen, wie wir sie am besten umsetzen. Dabei werden wir nicht um Veränderungen der aktuellen Gesellschaft herumkommen, müssen wir aber auch gar nicht!Veränderung ist nötig, denn ohne Veränderung würde die Menschheit nicht lange überleben. Klimaschutz ist nur durch Veränderung möglich und auch politisch entstehen ständig neue Herausforderungen.Lasst uns diesen Herausforderungen ins Auge sehen und die Möglichkeiten schaffen, unsere Welt zu verändern – in kleinen, überschaubaren Schritten und Experimenten, mit denen wir wenig kaputtmachen, aber viel lernen und verbessern können!Und jetzt ist natürlich wieder die Meinung eines Jeden gefragt, der Lust hat, etwas in den Kommentaren beizutragen

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