Stellt euch vor es ist Krieg und keiner geht hin? Geht das?

Am 24. Dezember 1914 bekamen viele Soldaten Weihnachtsgeschenke aus ihrer Heimat und die Sehnsucht nach etwas Ruhe wurde immer größer. Zwischen den Kriegsgegnern wurde vereinbart, dass man die Gefallenen bergen konnte und nicht geschossen werden sollte. Nachdem die Toten weggebracht wurden, begannen die ersten verfeindeten Soldaten miteinander zu sprechen. Sie begannen sich gegenseitig schöne Weihnachten zu wünschen und kein Soldat hatte im Moment das Bedürfnis, wieder zur Waffe zu greifen. Die deutschen Soldaten stellten kleine Tannenbäume, die sie aus ihrer Heimat erhalten hatten, auf die Gräben und zündeten Kerzen an. Auf beiden Seiten fingen plötzlich Soldaten an, Weihnachtslieder zu singen und immer mehr Soldaten verließen ihre Stellungen. Was sich bald im Niemandsland (zwischen den Gräben liegendes Gelände) abspielen sollte, war unfassbar.

Quelle. Kaum eine wahre Geschichte hat mich so sehr positiv berührt wie diese, in der die eigentlich verfeindeten Menschen sich zwischen Schützengräben, Toten und Tötungsmaschinerie einfach so in die Arme nehmen. Die Geschichte macht mir Hoffnung, dass man vielleicht sogar solche schrecklichen Zeiten wie den ersten Weltkrieg beerdigen könnte, wenn sich Menschen als Menschen und nicht als Soldaten begegnen.

Im folgenden frage ich mich, wie es um solche Wege zum Frieden und ihre Verwirklichung steht. Das ist sehr relevant, weil man ziemlich Angst kriegen kann, wenn es um die ganzen Eskalationen auf der Welt geht.

Es heißt, dass diese einmalige Situation den Beteiligten gut in Erinnerung geblieben ist, das kann ich auch gut verstehen. Leider konnten die Menschen auf dem Schlachtfeld diesen Zustand nicht fortführen, weil sie „unter Androhung von strengen Disziplinarmaßnahmen“ von ihren Vorgesetzten wieder zur Arbeit gerufen wurden. Dann ging der heftige Krieg noch Jahre weiter als wäre nix gewesen.

Ist also von diesem Tag nichts übrig geblieben? Gibt es eine Chance, dass vielleicht in einem zukünftigen Konflikt so eine Pause zum Dauerzustand werden könnte?

Gegenseitigkeit

Wie gesagt, wurde anschließend (auch für die weiteren Weihnachten des 1. Weltkriegs) etwas ähnliches von den Befehlshabern verboten. Das kann man sich auch heute vorstellen, denn leider ist die deutsche Bundeswehr die einzige Armee, bei der es die Gewissensfreiheit oder etwas Vergleichbares gibt, die Soldaten sich also den Befehlshabern widersetzen dürfen, wenn sie die Kommandos nicht vertretbar finden.

Doch für eine friedliche Lösung braucht es immer zwei Seiten. Wenn die eine Seite die Waffen niederlegt und von der anderen überrollt wird, dann gibt das womöglich auch „Frieden“, aber vielleicht eher so, wie sich Cäsar „Befriedung“ durch Einnahme vorgestellt hat.

Fehlende Gegenseitigkeit ist auch die Schwachstelle, die den Angehörigen einer beliebigen Friedensbewegung angekreidet wird. Wenn wir uns nicht verteidigen, dann bekommt die andere Seite zu viel Macht über uns, so diese Logik, die ja auch etwas Wahres hat, denn solange nicht beide mitmachen, kann der Konflikt nicht aufhören.

Fatal wäre aber genauso arg, in einen „Kriegsfatalismus“ zu verfallen und jedes bisschen Hoffnung auf Frieden aufzugeben. Der Friede lebt ja davon, dass man an ihn glaubt und auf ihn hofft.

 We won’t bomb your country

Wahrscheinlich kann man den Frieden nicht planen, sondern muss die Menschen von ihm überzeugen. Das war wahrscheinlich auch die Idee hinter dem Projekt „Iran-Loves-Israel„.

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Das erste Bild des Grafikers Ronny Edry, der die Kampagne ins Leben gerufen hat – Quelle

Das Bild ist während einer Zuspitzung zwischen Israel und dem Iran mit israelischen Drohungen entstanden. Es drückt aus, dass die Bevölkerung den Iranern beisteht, auch wenn Regierung und Militär mit den Säbeln rasseln.

Auch wenn Regierung und Militär die Macht haben, entscheidet im Endeffekt oft das Volk über Krieg und Frieden. Auch die Soldaten gehören zum Volk, und die Feldherren begründen ihre Taten oft mit dem Dienst am Volk.

Weiter lässt das Bild die alte Friedensbewegung wieder ein Stück weit aufleben, nur mit einem neuen Element: Die Friedensbewegung bleibt nicht einseitig, sondern wirkt sich sowohl auf den Iran wie auch auf Israel aus. Und wenn beide Seiten nicht zu Krieg gehen, dann gibt es ihn nicht. Und man lässt die Waffen eher ruhen, wenn man weiß, dass die Gegenseite sie auch ruhen lassen will.

 Die Sache ist nicht gegessen

Keine dieser Ideen bietet die Patentlösung für den Frieden. Wenn es die gäbe, dann bräuchten wir ja keine Waffen mehr. Hoffnung können diese Beispiele schon machen, und die dürfen wir auf keinen Fall verlieren.

Egal, wie man sich zu der Thematik positioniert: Ob man einer Friedensbewegung angehört oder findet, dass man manchmal auch Waffengewalt einsetzen muss, um Schlimmeres zu verhindern, ob man versucht, die Konflikte zu schlichten – wie auch immer. Die Sache ist ganz sicher nicht so klar, um sich gegenseitig aufgrund solcher Positionen Verantwortungslosigkeit, Kriegstreiberei oder Gutmenschentum vorzuwerfen. Vielmehr sollten wir ganz undogmatisch darüber diskutieren.

Wer Lust hat, kann damit in den Kommentaren anfangen. Gratis dazu gibt es dann die Auszeichnung „Erster Kommentar in diesem Blog“ ;o)

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