Die Konsultative und Deliberative Polling (Teil 1?)

An dieser Stelle nur ein kleiner Hinweis auf meinen Kommentar unter folgendem spannendem Artikel, der auf netzpolitik.org erschienen ist über Klaus Leggewies (et al.) – durch mich bisher noch ungelesenem – Buch „Die Konsultative“:

Eine gut ausgestaltete „Konsultative“, die aus zufällig gezogenen Bürgern besteht, könnte helfen, dass neben dem Sachverstand der Politiker und ihrer Mitarbeiter, aber leider auch deren Betriebsblindheit, innovative Vorschläge zur Gestaltung der Politik bestehen können. Außerdem könnte sie sich zu einem bedeutenden Korrektiv, gewissermaßen zu einem wichtigen Korrektiv entwickeln und die Medien in dieser Rolle unterstützen.

Die Mitglieder der „Konsultative“ (MdK) könnten beispielsweise das Recht haben, den MdB’s Löcher in den Bauch zu fragen und so eine Art Diskussionsmedium zu werden. Sehr interessant in diesem Zusammenhang finde ich auch die Forschungen in Richtung „Collaborative Polling“. Sie bieten m.E. einen guten Kompromiss zwischen Bürgerbeteiligung und repräsentativer Demokratie, aber natürlich nur als Ergänzung und nicht als Konkurrenz zum übrigen System.
http://www.theeuropean.de/james-fishkin/11875-deliberative-demokratie

Hier könnte man auch mit den digitalen Ansätzen loslegen! Über ein Online-Portal könnten Bürger die Möglichkeit haben, der „Konsultative“ eine politische Maßnahme zur Diskussion vorzuschlagen oder direkt wichtige Argumente zu liefern. Der Gestaltung sind hier kaum Grenzen gesetzt – außer der Kreativität der Schöpfer des Portals.

Dadurch, dass die Mitglieder der „Konsultative“ einen gewissen Draht zur Politik haben, können sie auch typische Unstimmigkeiten im Handeln oder Reden der Regierung, der Abgeordneten aufdecken und diese medienwirksam zur Rede stellen. Vielleicht lässt sich so das Ausschweigen über wichtige Missstände verhindern und etwas „mehr Demokratie wagen“, ohne den Normalbürger zu überlasten?

Ich muss gestehen, dass ich die Idee auch darum um so besser finde, weil ich sie – so ähnlich und sicher nicht so durchdacht wie in dem Buch – auch schon einmal hatte. Aber auch abgesehen davon gibt es ganz bestimmt gute Gründe für die „Konsultative“ 😉

Ich frage mich natürlich, wie ihr das seht. Das Thema, wie man die Beteiligung der Bürger über einfache Wahl- und Abstimmungsakte hinaus durch eine engere Einbeziehung in die gesellschaftliche Diskussion erreichen kann, gerne auch über institutionelle Lösungen, treibt mich schon lange um. Meine Hoffnung ist, dass auf diese Weise am Ende bessere Entscheidungen, mehr Machtkontrolle und eine höhere Zufriedenheit der eingebundenen Bürger die Folge sind.

Es kann gut sein, dass zu dem Thema hier noch das eine oder andere folgt.

2 Gedanken zu „Die Konsultative und Deliberative Polling (Teil 1?)“

  1. Ich finde, man sollte eine zukünftige gesellschaftliche Entscheidungsorganisation weniger darum aufbauen, wer wann was wo entscheiden *darf*, sondern den Prozess so designen, dass in jedem Fall v.a. alternative gute Optionen durchdekliniert werden, unterstützt durch Fachwissen, Argumenten-Aggregation und interdisziplinär moderierte Diskussion. Ein Meinungsbild der von einer Entscheidung Betroffenen muss natürlich Teil des Ablaufs sein, aber man sollte es IMHO sowieso vermeiden, in die heutigen Kompromisspaket-JA-NEIN-Kontroversen zu fallen. Die Realität ist so nicht adäquat differenziert abzubilden. Statt dessen sollte zu jeder (größeren, bedeutenden) gesellschaftlichen Entscheidung sämtliche Ideen & Kritik möglichst reguliert + automatisiert verwurstet werden, so dass sich daraus vielleicht drei bis drölf alternative Szenarien ergeben, die man dann mit demokratischen Mitteln weiter bis auf eine runterköchelt.
    So, oder auch ganz anders

    1. Danke zunächst für deinen Beitrag! :o)

      Wenn ich die Essenz davon wiedergeben soll, dann würde ich sagen: Unser Hauptproblem ist nicht mehr unsere Art, verbindliche Entscheidungen zu treffen. Wichtiger ist deren Grundlage, nämlich die Diskussion: Hier müssen möglichst viele Alternativen und Argumente diskutiert werden, möglichst offen.

      Das würde ich sofort unterschreiben. Daher finde ich ja auch die „Konsultative“ einen so interessanten Ansatz: Meiner Meinung nach hat sie den Auftrag, die öffentliche Diskussion zu bereichern und ein Podium zu schaffen, auf dem „normale Bürger“ und erfahrene Politiker Argumente austauschen können. Die einen fühlen sich mehr mitgenommen, die anderen bekommen etwas „Erdung“.

      Ansonsten sprichst du davon, dass „sämtliche Ideen & Kritik möglichst reguliert + automatisiert verwurstet werden.“ Auch hier rennst du bei mir wohl offene Türen ein, denn kein menschlicher Moderator kann eine Diskussion handlen, wenn viele Menschen effektiv dazu beitragen können sollen. Soziale Netzwerke und Onlineforen bieten zwar die theoretische Möglichkeit für die breite Beteiligung, aber Diskussionen laufen extrem hitzig und ineffizient ab. Das macht aber nichts, denn es erinnert sich sowieso niemand mehr an die Beiträge vom letzten Monat (verschwinden unten in der Timeline)…

      Mir brennt es schon länger unter den Nägeln, hier etwas Neues, Besseres zu erschaffen.

      Auch sehr interessant finde ich dein Projekt http://zukunftsoptimierung.de . Konnte die Webseite bisher leider nur überfliegen, aber die genauere Lektüre muss ich unbedingt noch nachholen.

      Viele Grüße, datokrat

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.