Das Ende der Geschichtsschreibung

Was wird in Zukunft über den Ukraine-Konflikt in den Geschichtsbüchern stehen? Wer hat die MH-17 abgeschossen und gab es eine Invasion? Habt ihr euch dazu schon mal Gedanken gemacht?

Wenn ja, dann seid ihr vermutlich, genau wie ich, zu dem Schluss gekommen, dass zumindest der Absturz der MH-17 höchstwahrscheinlich noch  eine gewisse Zeit ungeklärt bleiben wird. Denn welcher Fakten kann man sich im sog. „Medienkrieg“ überhaupt noch sicher sein? (Wenn ihr anderer Meinung seid, dann dürft ihr ruhig die Kommentare nutzen, Diskussionen mag ich viel mehr als diese Monologe!)

Im Moment gibt es nämlich die Situation, dass wir kein Medienmonopol mehr haben, sondern einflussreiche russische, amerikanische, arabische, deutsche etc. Medien, die unterschiedliche Sachen behaupten. Mit unterschiedlichsten Interessen. Man muss sich ernsthaft fragen, wem man noch trauen kann und wie man „Fakten“ überprüfen kann.

Wikipedia-Syndrom

Ich habe Belege für schlechten Journalismus „dort im Osten“, aber auch, wenn auch auf einem anderen Level, „hier im Westen“ erlebt. Zudem ist die Fahndung nach Quellen oft ein unüberbrückbares Problem.

Ich kann es ja verstehen, wenn bei einem Zeitungsartikel nicht zwanzig Links und Bücher als Quellen aufgeführt werden, der Platz ist ja kostbar. Aber kann mir mal jemand erklären, warum man beim Veröffentlichen dieser Artikel im Netz nicht einfach ein paar Hyperlinks einbauen kann?

Es ist doch eine Ironie, dass ausgerechnet die ganzen Medien, denen man in der Regel vertrauen kann, keine Quellen nennen. Sie leiden sozusagen unter dem Wikipedia-Syndrom.

Wobei ich finde, dass Wikipedia fälschlicherweise der Ruf anhängt, journalistisch „böse“ zu sein. Quellen findet man dort oft viel mehr als bei den meisten der genannten Medien. Man könnte also sagen, dass ausgerechnet Wikipedia nicht unter dem Wikipedia-Syndrom der fehlenden Quellenangaben leidet.

Was mache ich jetzt, wenn ich einen Artikel auf Plausibilität überprüfen will? Gut, manchmal gibt es schützenswerte Informanten. Ansonsten will ich doch wissen, wie der Autor zu seinen Schlüssen kommt, besonders, wenn er seine Behauptungen als die „Wahrheit“ hinstellt.

Ich könnte eine Suchmaschine ansetzen, die mich aber normalerweise nur zu weiteren Seiten mit den gleichen Behauptungen ohne Quellen (oder unsicheren Quellen) führt. Das war’s dann fast schon.

Intransparenz

Die Ursachen für den Mangel an Infos sind unterschiedlich, in einigen Fällen wird aber absichtlich versucht, Informationen zu unterdrücken. Wie man schon am Wort „Geheimdienste“ erkennen kann, sind die nämlich geheim! (Nein! Doch! Oh!)

Dabei haben wir zur demokratischen Kontrolle (sic!) diverse Gremien wie das Parlamentarische Kontrollgremium, das dank Snowden nun Gesellschaft vom NSA-Untersuchungsausschuss bekommen hat. Was man so an Infos von den Geheimdiensten bekommt, sagt auch recht viel über sie aus:

So sind seeehr viele Dokumente, die dem Untersuchungsausschuss vorgelegt wurden, zu großen Teilen geschwärzt (naja, Grußformel ist lesbar). Ich kann es voll verstehen, wenn die Opposition eine Verfassungsklage einreichen will. Ohne belastende Unterlagen wird die öffentliche Diskussion über die Geheimdienste fruchtlos bleiben.

Die Informationen sind aus meiner Sicht nicht wie behauptet zu Gunsten des „Staatswohl“s geschwärzt worden, sondern sind eben brisant und sollen nicht öffentlich werden.

TTIP

Womit wir auch den Bogen zu TTIP hätten, denn dazu hatte ich zur Europawahl eine nette Diskussion mit dem CDU-Kandidaten, der natürlich voll und ganz für TTIP war. Schon bald zeigte sich, dass auch er keine Ahnung von den ausgehandelten Inhalten hatte und unsere Diskussion somit kaum einen Zweck hatte.

Nachdem wir ein Weilchen über mutmaßliche Inhalte diskutiert hatten, warf ich ein, dass diese ganze Geheimnistuerei der Demokratie schade. Der Verhandlungsstand ist nämlich nach wie vor nicht öffentlich. Wir waren doch selbst das beste Beispiel! Es war ein Aussage-gegen-Aussage-Spielchen, wenn es darum ging, was nun TTIP überhaupt sei.

So, wie bei den Geheimdiensten das „Staatswohl“ im Vordergrund stand, war es für den Kandidaten die Tatsache, dass die Verhandlungen im Geheimen stattfinden müssten.

Kennt ihr euch vielleicht mit Verhandlungen aus? Meiner Ansicht nach müssten für so eine Verhandlung doch nur die Strategien der Vertragspartner geheim sein, nicht aber die Verhandlung selbst. Für mich riecht es eher wieder danach, dass jemand die Informationen zurückhalten will.

Dass es nicht nur um die Verhandlungen geht, zeigt auch super CETA, das Freihandelsabkommen mit Kanada, das schon ausgehandelt ist. Es besteht also kein Grund mehr zur Geheimhaltung mehr – die Kommission will es trotzdem noch nicht veröffentlichen.Update: CETA ist ab heute öffentlich zugänglich – nachdem es vorher an vielen Stellen schon geleakt wurde…

Ausblick

Ich hoffe, dass euch klar geworden ist, wie wenig man aktuell wissen kann. Meist liest man nur Behauptungen ganz ohne Quellenangabe.

Zwischen den Interessen von Staaten und Geheimdiensten gehen viele Fakten verloren, die wichtig sein könnten, um unsere Welt zu verstehen.

Um die Situation zu ändern, würde ich vorschlagen, dass wir, also die Leser, aktiv Quellen und Infos einfordern. Die Wichtigkeit von belegbaren Infos muss mehr ins öffentliche Bewusstsein kommen.

Ich bin mir sicher, dass ihr alle auch schon auf die Problematik gestoßen seid. Wie seht ihr sie und wie geht ihr mit ihr um? Was müsste man eurer Meinung nach tun?